Die Transformation zur Circular Economy entscheidet sich auf der operativen Ebene – in den Kommunen, bei der Ausschreibung von Bauleistungen und im regionalen Stoffstrommanagement. Der Nachhaltigkeitsgerichtstag der LAG 21 NRW am 8. September 2026 in Wuppertal zeigte: Der notwendige Paradigmenwechsel verlangt veränderte Governance-Strukturen, interkommunale Allianzen und eine Harmonisierung von Abfall- und Baurecht.
Auf dem Panel zum Thema „Von der Theorie in die Praxis: Welche rechtlichen Rahmenbedingungen benötigen Kommunen für den Aufbau von Circular Cities-Strategien“ war die :bergische rohstoffschmiede eingeladen, Erfahrungen aus der regionalen Arbeit zu Wissens- und Kompetenztransfer zur Kreiswirtschaft in die Diskussion mit einzubringen.
Hier ein kurzer Einblick in die diskutierten fachlichen Schwerpunkte der Veranstaltung.
Die ausführliche Dokumentation der Veranstaltung sowie die Impulse aus den Arbeitskreisen finden Sie zeitnah auf den Kommunikationskanälen der LAG 21 NRW.
Paradigmenwechsel: Vom Entsorgungsauftrag zum zirkulären Ressourcenmanagement
Der klassische, lineare Entsorgungsauftrag greift zu kurz. Die Transformation erfordert die Etablierung eines integrierten Wertstoffmanagements, das Sekundärrohstoffe konsequent als Asset begreift. In diesem Ökosystem kommt den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern eine neue strategische Rolle zu: Wertstoffhöfe müssen sich von reinen Sammelstellen zu multifunktionalen Re-use-Zentren, Anlaufstellen für das zirkuläre Handwerk und regionalen Entwicklungsplattformen wandeln.

Michael Kuhndt, CSCP
Urban Mining: Regulatorische Restriktionen und Standardisierung im Bauwesen
Aufgrund des enormen Material- und Emissionsaufkommens im Bausektor liegt hier der größte Hebel – insbesondere da die öffentliche Hand rund 50 % des Marktvolumens kontrolliert. In der Praxis erweist sich das aktuelle Kreislaufwirtschaftsrecht (KrWG) jedoch häufig als systemischer Flaschenhals für Re-use-Szenarien: Sobald verbaute Komponenten aus dem Gebäudekontext gelöst werden, greift die gesetzliche Abfalleigenschaft.

Oberbürgermeisterin Miriam Scherff
Strategische Zielsetzung
Der selektive Rückbau und die Rückbaulogistik müssen prozessual so organisiert werden, dass der Produktstatus der Bauteile lückenlos gewahrt bleibt. Zur Skalierung dieser Ansätze wurden mehrere standardisierte Rahmenbedingungen zusammengetragen:
- Design for Disassembly: Verpflichtende Implementierung demontagefreundlicher Konstruktionsweisen auf Herstellerseite.
- Risk-Management & Gewährleistung: Entwicklung rechtssicherer Modelle für die Mängelhaftung und den Versicherungsschutz von Sekundärbaustoffen.
- Digitale Infrastruktur: Flächendeckende Nutzung plattformbasierter Ökosysteme (wie der Concular Bauteilbörse) sowie harmonisierter, standardisierter Bauteillisten zur Materialvermittlung.
Kommunale Governance: Schnittstellenkompetenz und interkommunale Solidarität
Kommunalverwaltungen agieren permanent im Spannungsfeld zwischen rigiden rechtlichen Vorgaben (De-jure-Situation) und den informellen Erfordernissen zirkulärer Innovationsprozesse (De-facto-Situation). Die hohe Dynamik im Nachhaltigkeitssektor erfordert das Aufbrechen klassischer administrativer Silos zugunsten eines ressortübergreifenden, agilen Denkens.

Bettina Knothe; :bergische rohstoffschmiede
Zentraler Erfolgsfaktor ist das Überwinden regionaler Wettbewerbsstrukturen. Statt isolierter Insellösungen bedarf es einer interkommunalen Kooperation, um Vorreiter-Wissen und haushälterische Spielräume effizient zu teilen. Durch die systematische Verknüpfung von angewandter Forschung (regionale Hochschulen) mit der Praxis und dem Aufbau spezifischer „Circular Talents“ wird zirkuläre Wertschöpfung in der Region operationalisiert.

Aussichtsreiche operative Ansätze
Die Umsetzung der strategischen Leitlinien kann unter anderem auf diesen Säulen erfolgen:
- Fokus auf die Verankerung zirkulärer Kriterien in der öffentlichen Beschaffung (Green Public Procurement)
- Konzeptionierung „Dritter Orte“ als Begegnungs- und Re-use-Stätten an örE-Standorten zur Steigerung der sozialen Teilhabe.
- Cluster- und Netzwerkmanagement zur sektorübergreifenden Verknüpfung von Akteuren aus Wirtschaft, Kammern und Kommunen, um geschlossene regionale Wertschöpfungsketten zu etablieren.
Der Innovationsstandort :metabolon ist im Bergischen Rheinland ein zentraler Reallabor-Katalysator, der als Bildungs- und Begegnungsort das Thema zirkuläre Wertschöpfung in der Region verankert.
Die :bergische rohstoffschmiede am Innovationsstandort :metabolon trägt in Forschungsprojekten zusammen mit der TH Köln sowie mit seinen Regionalen Fachdialogen Bauen und Kunststoff zur sektorübergreifenden Vernetzung von Akteuren bei mit dem Ziel, regionale Kooperations-Allianzen und Wertschöpfungsketten zu initiieren und aufzubauen.
